Wilde Beeren in Kanada

Kleine Pflanzenkunde für Überlebenskünstler, Jäger und Sammler

12.07.2009 Luise Wagner

Im Westen Kanadas wachsen die wohl größten und saftigsten wilden Beeren der Welt. Einige Arten wie die Thimbleberry und Huckleberry sind in Europa völlig unbekannt.

Der Westen Kanadas ist nicht nur das Land der Bären, sondern auch der Beeren. In den üppigen Regenwäldern entlang der nordamerikanischen Pazifikküste von Britisch-Kolumbien bis hinauf nach Alaska gedeihen bis zu zwanzig verschiedene Sorten Wildbeeren.

Wie im Paradies lebten die Ureinwohner der Pazifikküste, heißt es in den Berichten der europäischen Eroberer, als sie im 18. Jahrhundert erstmals das unberührte Land betraten. Die Flüsse waren voller Lachse, die Wälder voller Früchte und Meere voller Meerestiere. Die "Indianer" haben keinen Mangel gekannt, staunte der britische Seefahrer Captain George Vancouver, dessen Name die kanadische Metropole Vancouver trägt. Die Stämme der Coast Salish (Küsten-Salish) sorgten über Jahrtausende hinweg dafür, dass die Vielfalt der Natur erhalten blieb, indem sie nicht raubend ausbeuteten, sondern strategisch ernteten. So konnten sich die Ureinwohner mit dem, was die Natur bot, selbst versorgen. Dazu gehörte neben Fisch und Muscheln vor allem die Ernährung mit den wilden Früchten der Wälder.

Wilde Beeren wachsen von Juni bis Oktober

Einige der in Kanada verbreiteten Wildbeeren sind auch bei uns in Deutschland verbreitet, wie die Heidelbeere, Brombeere oder Preiselbeere, andere sind wiederum völlig unbekannt und wachsen nur in dieser gemäßigten Klimazone. Geerntet werden können die Beeren den ganzen Sommer über. Das macht nicht nur Spaß, sondern ist vor allem gesund: wilde Beeren sind krebsvorbeugend.

Ab Ende Mai ist die Salmonberry (Rubus spectabilis) reif, die ihren englischen Namen der Farbe der Lachse zu verdanken hat. Orange-gelb leuchten diese himbeerartigen Beeren, die die Größe von Kirschen erreichen können und süß bis herb schmecken. Salmonberries haben den höchsten Vitamin-C-Gehalt unter den Beerensorten. Die Ernte ist einfach – oft muss man sich nicht einmal bücken, da die Sträucher mannshoch wachsen und die Früchte geradezu in Gesichtshöhe baumeln.

Die Salmonberry hat ihre eigenen Launen, was ihre Farbgebung angeht. Denn sie wird nicht etwa nur lachsfarben orange, sondern leuchtet von gelb bis dunkelrot. Die Beeren gehören trotz verschiedener Färbung zur gleichen botanischen Klasse der Rosengewächse und sind alle essbar. Erkennbar ist die Prachthimbeere leicht an ihrer stachelartigen Krone, die die Frucht wie eine Glühbirne in ihrer Fassung hält.

Vitamincocktail aus dem Wald

Ab Juli reift eine weitere rote Beere, die in Europa unbekannt ist, die Thimbleberry (Rubus parviflorus). Ein Besserwisser hat der Pflanze den deutschen Namen Weiße Zimthimbeere verpasst. Der Strauch trägt große an Weinblätter erinnernde Blätter und weiße bis rosa leuchtende wildrosenartige Blüten, aus denen die Thimbleberries entstehen. Diese Beere ist etwa knopfgroß und schmeckt wie eine Mischung aus Johannis- und Himbeere. Wegen des weichen Fruchtfleisches kann man die Thimbleberry leider nicht lange aufbewahren. Am besten gleich beim Sammeln verspeisen oder als Marmelade verwerten.

Eine andere berühmte amerikanische Beere ist die Huckleberry (Vaccinium membranaceum). Diese heidelbeerähnliche Beere ist kein Fantasieprodukt des Dichters Mark Twain, sondern eine im Schatten des Waldes wachsende Beerensorte. Die würzig-süße Beere ähnelt in ihrer Form und Größe tatsächlich einer Heidelbeere. Sie ist allerdings knallrot und wächst an Sträuchern, die beinahe Baumhöhe erreichen können.

Vom Spätsommer bis in den Winter hinein reifen die Früchte des Salal (Gaultheria shallon), deutsch Shallon-Scheinbeere. Die hüfthohen, immergünen Sträucher tragen lederartige Blätter. Die Früchte sind zunächst weiß und reifen dann dunkelrot bis blau wie dunkle Weintrauben heran. Ihre Größe entspricht jedoch eher unsere schwarzen Johannisbeere. Die Salalbeeren geben einen klebrigen, milchigen Saft ab; beim Sammeln sollte man besser Gummihandschuhe tragen. Sie schmecken süß und enthalten viele, kleine Samen.

Die indianischen Ureinwohner schätzen die Salalbeeren sehr, denn sie wachsen entlang der gesamten Küstenzone bis spät in den Winter hinein. Salal ist eine echte Rettungspflanze. Wer sich in den Wäldern an der Westküste Kanadas verlaufen hat, sollte diesen Strauch kennen! Denn Salal enthält ausreichend Vitamine und Nährstoffe, um das Überleben für Wochen in der Wildnis zu sichern.

Westkanadische Beerenvielfalt

  • Himalaya- und Evergreen Blackberry (Brombeeren)
  • Dewberry (kleine, süße Brombeersorte)
  • Salal (Shallon-Scheinbeere)
  • Elderberry (Holunder)
  • Oregon Grape (Mahonie)
  • Rowanberry (Eberesche)
  • Red Huckleberry (Rote Heidelbeere)
  • Blueberry (Heidelbeere)
  • Salmonberry (Prachthimbeere)
  • Cranberry (Preiselbeere).

Bleiben noch die bei uns verbreiteten Brombeeren (Rubus sectio Rubus) ab Mitte Juli und die Heidelbeere ab August. Brombeeren in Kanada sind unübertroffen, was ihre Größe und den Geschmack angeht. Einige Früchte werden groß wie Pflaumen und schmecken im September besonders gut, wenn der trockene, heiße August die Beeren gesüßt hat.

Die beerenreichen Gegenden werden jedoch nicht nur von Menschen, sondern auch bevorzugt von Schwarzbären besucht. Die Bären fressen sich den ganzen Sommer über mit den Beeren einen Speckgürtel für die langen Wintermonate an. Vorsichtig sollten Wanderer besonders ab August sein, wenn die Heidelbeeren reif sind. Dann muss man sich so manches Revier unfreiwillig mit den Schwarzbären teilen. Die Tiere sind meist harmlos, wenn man sie in Ruhe fressen lässt und nicht in die Enge treibt.

Rezept für Huckleberry Sauce

1 Tasse Huckleberries

1/4 Tasse Zucker

1 EL frischer Zitronensaft

1 TL frischer Thymian

1 Jalapeno

1 EL Maisstärke in 1 EL Wasser auflösen

Alle 5 Zutaten in einem kleinen Topf 5 Minuten bei mittlerer Hitze kochen. Maisstärke zufügen und weitere 5-7 Minuten kochen, bis Sauce dick wird. Passt hervorragend zu gegrilltem oder gebackenem Lachs.

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